Publikation: August 2026
Guide-Porträt: Bea Fischli
Bea Fischli ist eine der erfahrensten Guides im Bike Adventure Tours Team. Ihr Repertoire an Reisen ist sehr vielfältig. Insbesondere sind ihr die Region und Bewohner des Himalaya und afrikanische Länder ans Herz gewachsen. Wie ist Bea zu Bike Adventure Tours gekommen? Weshalb reist sie am liebsten mit dem Bike? Was sind ihre Stärken und Schwächen als Reiseleiterin? Bea gewährt uns in einem Interview einen Einblick in ihre Passion des Reisens.
Bea, wie bist du zu Bike Adventure Tours gekommen?
Mit 20 Jahren führte mich ein halbjähriges Praktikum im Rahmen meiner Ausbildung zur Lehrerin zum ersten Mal nach Madagaskar. Ich unterrichtete an einer kleinen Missionsschule in einem abgelegenen Dorf mitten im Busch. Das einfache und abenteuerliche Leben mit den Ordensschwestern faszinierte mich so sehr, dass ich mir damals sogar vorstellen konnte, selbst Klosterfrau zu werden.
Mit etwas Abstand wurde mir aber bewusst, dass mich wohl weniger das klösterliche Leben anzog, als vielmehr die Nähe zu den Menschen. Es waren die herzlichen Begegnungen mit der lokalen Bevölkerung, das gemeinsame Singen und Tanzen mit den Schülerinnen und Schülern sowie das Unterwegssein in einer beeindruckenden Naturlandschaft, die mich tief berührten.
Zurück in der Schweiz arbeitete ich zunächst als Lehrerin im Glarnerland. Eine Begegnung mit Chris Schnelli, Mitgründer von Bike Adventure Tours, eröffnete mir dann einen neuen Weg. Ab 1995 begann ich Reisen nach Madagaskar zu leiten. Nach und nach kamen weitere Destinationen dazu – von Ostafrika über den Himalaya bis zu den Kapverden.
Auch nach über 25 Jahren als Reiseleiterin ist meine Begeisterung ungebrochen. Gemeinsam mit einem engagierten Team Reisenden andere Kulturen, Landschaften und Lebensweisen näherzubringen, empfinde ich bis heute als Privileg.

Was bedeutet dir das Reisen?
Reisen bedeutet für mich eine Unterbrechung des Alltagslebens, die mit neuen Erkenntnissen und einer Horizonterweiterung verbunden sein kann. Ein bewusstes Unterwegssein mit all seinen Facetten für Offenheit, Toleranz und Verantwortung kann vom Reisenden aktiv gelebt werden. Dies kann «vor der Haustüre» oder auch in Madagaskar sein, wenn einem gerade ein Einheimischer hilft, eine Schlauchpanne zu flicken und sich nachher mit einem leichten Nicken und einem Lachen auf dem Gesicht verabschiedet. Auf Reisen gibt es Momente und Erlebnisse, die einem immer in Erinnerung bleiben und die einem auch oft in der Gruppe stark verbinden.

Weshalb reist du gerne mit dem Rad?
Reisen ist für mich weit mehr als ein Beruf – es ist eine Leidenschaft und ein wichtiger Teil meines Lebens. Ich habe das grosse Privileg, meine Passion mit meinem Beruf verbinden zu dürfen. Auch nach vielen Jahren freue ich mich jedes Mal aufs Neue, mit einer Gruppe unterwegs zu sein und gemeinsam neue Landschaften, Kulturen und Menschen zu entdecken.
Reisen bedeutet für mich eine bewusste Unterbrechung des Alltags. Es eröffnet die Möglichkeit, Gewohntes zu hinterfragen, den eigenen Horizont zu erweitern und die Welt mit neuen Augen zu sehen. Für mich ist Reisen weit mehr als das Besuchen schöner Orte – es ist eine Begegnung mit Menschen, Kulturen und Lebensweisen, die mich immer wieder bereichert und verändert.
Bewusst unterwegs zu sein bedeutet für mich, Offenheit, Respekt, Toleranz und Verantwortung zu leben. Reisen schafft Begegnungen, die Vorurteile abbauen können. Was aus der Distanz fremd oder ungewohnt erscheint, wird durch persönliche Begegnungen verständlich und menschlich. Oft merken wir dabei, dass uns viel mehr verbindet als trennt. Das kann direkt vor der eigenen Haustüre beginnen oder auf einer staubigen Piste in Madagaskar, wenn ein Einheimischer selbstverständlich anhält, eine Schlauchpanne mit flickt und sich danach mit einem leichten Nicken und einem herzlichen Lächeln verabschiedet. Solche kleinen Begegnungen erzählen oft mehr über ein Land als jede Sehenswürdigkeit.
«Life is like riding a bicycle. To keep your balance, you must keep moving.»

Was ist dir wichtig als Reiseleiterin?
Nebst dem sportlichen Charakter einer Reise und dem Organisieren als Reiseleiterin vor Ort ist, ist es mir auch wichtig, mit der Gruppe in die Geschichte, Kultur und Religion des Landes einzutauchen. Seit jeher hat das Land und das Klima die Menschen, die in diesem Gebiet leben, geformt. Ein Grundwissen über die verschiedenen geographischen, kulturellen und historischen Gegebenheiten können dem Reisenden helfen, dem Gastland in einer achtsamen und respektvollen Haltung zu begegnen.
Was sind deine Stärken als Reiseleiterin?
Die vielen Jahre unterwegs haben mich gelehrt, auch in ungewohnten oder unvorhersehbaren Situationen ruhig zu bleiben. Auf Reisen läuft selten alles nach Plan – und genau das macht sie oft spannend. Ich habe gelernt, flexibel zu reagieren, Lösungen zu finden und darauf zu vertrauen, dass sich vieles unterwegs klärt.
Mit den Jahren habe ich auch eine gewisse Diplomatie entwickelt. Auf Reisen begegnet man den unterschiedlichsten Menschen – von Grenzbeamten über Polizisten bis hin zu Hotelmanagern oder lokalen Behörden. Ich behaupte manchmal lachend, dass Reiseleiterinnen auch ein kleines Diplom in Diplomatie besitzen. Nicht weil wir die Unwahrheit sagen, sondern weil wir gelernt haben, mit den richtigen Worten, etwas Humor und viel Fingerspitzengefühl aus schwierigen Situationen oft gute Lösungen entstehen zu lassen.
Ich versuche, Menschen offen und möglichst vorurteilsfrei zu begegnen. Jede Begegnung erzählt ihre eigene Geschichte, und genau diese Geschichten machen das Reisen für mich so wertvoll.

Was sind deine Schwächen als Reiseleiterin?
Da gibt es durchaus die eine oder andere. Wer von mir genaue Distanzangaben oder exakte Höhenmeter erwartet, ist suboptimal aufgehoben. Eine weitere Schwäche ist meine persönliche Beziehung zur Ordnung. Auf einer Reise kam einmal eine Teilnehmerin in mein Zimmer, um sich ein Reisebuch auszuleihen. Sie blieb kurz in der Tür stehen, schaute sich um und meinte trocken: «Der kleine Geist hält Ordnung, der grosse überblickt das Chaos!» Ich musste herzlich lachen – und konnte ihr das gewünschte Buch trotzdem innerhalb weniger Sekunden aus dem scheinbaren Durcheinander hervorzaubern. Offenbar hat mein Chaos ein ziemlich gutes Ordnungssystem.
Vielleicht ist das meine eigentliche Stärke in der Schwäche: Solange ich den Überblick behalte und die Gruppe zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist, darf mein Hotelzimmer unterwegs ruhig ein kleines Eigenleben führen.

Aus deinem riesigen Repertoire an Reiseländern, welches sind zwei Bikereisen, die du bald wieder leiten möchtest?
Madagaskar: Ostküste mit Masoala Nationalpark
Zu Madagaskar habe ich, wie bereits erwähnt, eine ganz besondere Beziehung. Jedes Mal, wenn ich auf diesen einzigartigen Inselkontinent reise, schlägt mein Reiseherz etwas höher. Nebst der Bikereise durch den Süden Madagaskars, gibt es nun neu eine Reise im Nordosten des Landes, mit dem Höhepunkt im Masoala-Nationalpark.
Auf der Masoala-Halbinsel war ich privat bereits mehrmals unterwegs und freue mich nun dass diese Tour neu im Programm von Bike Adventure Tours einen Platz gefunden hat. Nach der Fahrt durch das Hochland bis an die Küste tauchen wir am Ende in die «echte Masoala-Halle» ein – mitten in einen der artenreichsten Regenwälder der Welt. Es fasziniert mich jedes Mal aufs Neue, dass im Zoo Zürich mit der Masoala-Halle ein kleiner Ausschnitt dieses einzigartigen Regenwaldes nachgebildet wurde.
Was diese Bikereise für mich besonders macht, sind aber nicht nur die spektakulären Landschaften und die einzigartige Tier- und Pflanzenwelt. Es sind vor allem die Menschen, ihre Herzlichkeit, ihre Gelassenheit und der allgegenwärtige Gesang, der das Reisen in Madagaskar so besonders macht. Genau diese Mischung aus Natur, Kultur und Begegnungen begeistert mich jedes Mal aufs Neue – und ich freue mich, diese Begeisterung mit einer Reisegruppe teilen zu dürfen.

Kapverden: Bike-Paradies Insel Santiago & Vulkaninsel Fogo
Cabo Verde ist anders. Es hat seine eigene 500-jährige Geschichte und Kultur – reich an faszinierenden Landschaften, an Bergen und Schluchten, grünen Tälern und weissen Sandstränden. Das Land besteht aus 15 Inseln, wobei nur 9 davon bewohnt sind, und jede Insel ist etwas anders. Anfangs ist man mit dem Mountainbike auf Fogo unterwegs, der Vulkankegelinsel mit dem fast 3000 m hohen Pico da Fogo. Wie staunen wir über die bizarre Bergwelt! Die zweite Woche führt uns durch die grösste Insel Santiago, wo steile Aufstiege so manchen Schweisstropfen erfordern. Doch belohnt werden wir mit imposanten Aussichten und Abfahrten.
Am Abend geniessen wir bei Meeresrauschen die reiche kreolische Küche. Oft können wir dazu Rhythmen und Gesang des typischen eher afrikanischen Batuka-Stils hören oder den Liedern der traditionellen Morna-Musik, dem Fado ähnlich, lauschen. Die Texte und Melodien sind mit Sehnsucht und Wehmut verbunden. Sehnsucht wird uns wohl auch immer wieder aufkommen beim Betrachten der Fotos. Erinnerungen an eine unvergessliche Zeit mit einer tollen Gruppe auf den Inseln, die wie Perlen im Atlantik vor Afrika liegen.
Bea, vielen Dank für das Gespräch und alles Gute auf deinen nächsten Bikereisen.









